Leitbild für Hartheim, ein Diskussionsvorschlag des AK attraktives Hartheim. Das Leitbild wird, anhand aktueller Themen, ständig fortgeschrieben und dient als Messlatte für die Bewertung der kommunalpolitischen Entwicklung. (->  Realitätsbezug). Jeder Beitrag ist willkommen.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. In den nächsten Jahren kommen auf unsere Gesellschaft gravierende Veränderungen zu. Stichwörter sind:

Viele Kommunen haben Leitbilder entwickelt, um ihre Entscheidungen systematisch und nachhaltig auf diese Herausforderungen auszurichten.  Aussage in der Bürgerversammlung 15.11.2011: Um ein Leitbild für die Gemeinde zu entwickeln soll eine separate Klausurtagung des Gemeinderats im Frühjahr 2012 stattfinden. Es ist nicht bekannt, dass die Klausur stattgefunden hat bzw. ein Leitbild publiziert wurde (Stand 2014).

Weitere Rahmenbedingungen:

  • Hartheim am Rhein ist - zwischen Schwarzwald und Vogesen, Freiburg und Basel - geografisch hervorragend gelegen und klimatisch begünstigt.
  • In der Region dominiert die Kiesgewinnung (mehrere Kieswerk, Holcim-Anlage geplant, Auskiesung des Rheinwaldes). Das ist einerseits ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, bringt aber auch viel LKW-Verkehr und massive Eingriffe in das Landschaftsbild.
  • Hartheim liegt unmittelbar an der europäischen Hauptverkehrsachse (A5, Bahntrasse mit 3. und 4. Gleis). 
  • Der Gewerbepark bietet Arbeitsplätze. Es ist aber zu befürchten, dass Industrien angesiedelt werden, vgl. Müllverbrennung, Recyclingunternehmen, die andere Kommunen nicht haben wollen.  Anfang 2014 ist durchgesickert, dass die Müllanlieferung entgegen der ursprünglichen Vereinbarung, von der Schiene auf die Strasse verlagert werden soll.  Angeblich wurde ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben. 
  • Die Landwirtschaft wird verstärkt industriealsiert, maschinengerecht. Die Landschaft wird zunehmend mit Plastik abgedeckt und verarmt ökologisch. Die Biogasgewinnung beschleunigt diesen Trend.
  • Flugbetrieb im Gewerbepark. Es wird von 45 000 Flugbewegungen im Jahr berichtet.

Ideensammlung  zur möglichen konzeptionellen Enwicklung 

1. Hartheim, auch in Zukunft mit betont dörflichem Charakter

(auch mit modernen Architekturen und Infrastrukturen, Qualität vor Quantität, Attraktivität des ländlichen Raums gegenüber trister Verstädterung)

  • schonender Flächenverbrauch
  • innerörtliche Bauplätze müssen  Vorrang vor neuen Baugebieten haben.
  • Dorfplätze, Grünanlagen, Bäume, Blumen
  • moderne, innovative  Arbeitsplätze ( Internet, Informatik, Altenpflege, Gesundheit, regionale Gastronomie, Erlebnistourismus usw.), 
    -> Wohnen und Arbeiten im Dorf, sozusagen von der Huf- zur Software-Schmiede
  • Hofläden mit regionalen Produkten
  • Die Wohnqualität störende Einrichtungen, Industriebetriebe usw. gehören in den Gewerbepark.

positive Beispiele:

  • Ortskern Feldkirch
  • ausgesprochen gelungene Kombination eines Architekturbüros mit landwirtschaftlichem Anwesen in Grezhausen. 
  • GR entscheidet sich, gegen die Verwaltung, das Rathaus und den ehemaligen Kindergarten zu sanieren und zu behalten (Sitzung 04.12.2012). Die Verwaltung wollte das Grundstück mit Kindergarten und Feuerwehrhaus veräussern. In der Kostenzusammenstellung wurde der Verkaufserlös eingerechnet,  nicht aber der Immobilienwert, wenn nicht verkauft wird.  Der GR hat sich also für den Erhalt des charmanten Dorfkerns, für ein künftige Gestaltungsoption und die deutlich wirtschaftlichere Lösung entschieden.   Für die vorgestellten Varianten wurden jeweils Kosten (über 15 Jahre) mit ca. 690 T€  kalkuliert. Der Wert der sanierten Immobilie kann, in 15 Jahren, leicht 300-350 T€  erreichen. Das ist letztlich der  finanzielle Gewinn der Gemeinde, gegenüber dem Verwaltungsvorschlag.        

negative Beispiele:

  • allgemein: Wohnblöcke, sterile Siedlungen, triste Zweckbauten 
  • Industrieanlagen im Dorf oder gar Industriebrachen
  • Einkaufsmärkte mit riesigen, durchgängigen Versiegelungsflächen, überdimensionierte Leuchtreklamen usw.
  • schöne Zypresse an Feldkircher Kapelle, 2012 abgefackelt, abgeholzt
  • lust- und einfallslose Gestaltung des Hirschenplatzes
  • Mehrfamilienhaus in der Schulstrasse. Frau Schönberger spricht sich zwar dagegen und für eine Planung mit "dörflichen und familiären Charakter" aus und auch Anlieger legen Widerspruch ein. Der Gemeinderat winkt das Projekt, mit 2 Gegensimmen aber durch (vgl. BZ vom 24.02.2013).

2. Hartheim regeneriert sich

Wohn- und Lebensqualität, Gesundheit, Ruhe sind für viele sehr wichtig. Man möchte ungestört schlafen können, den Garten geniessen, sich erholen Mit regenerativer Energiegewinnung sollen die Umwelbelastungen reduziert werden.  

positive Beispiele:

  • Im Rahmen einer Anhörung durch das Landratsamt hat die Gemeinde Bedenken gegenüber einer geplanten Start- und Landebahn für Leichtfluzeuge auf Grezhauser Gemarkung geäussert, da für einen hahegelegenen landwirtschafltichen Betrieb, sowie für die Bevölkerung, erhebliche Lärmimmissionen entstehen können (öffentl. Gemeinderatsitzung vom 13.12.2011). 
  • Herbert Pozwa spendet 100 000 € für Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Feuerwehr und Schule (BZ vom 30.01.2014).

negative Beispiele:

  • Verzögerung bei der Fertigstellung der schon vor  Jahren genehmigten Lärmschutzanlage an der A5 (nördlich, ab Autobahnbrücke)
  • Entscheidung des Gemeinderats (vgl. BZ vom 2101.2012, 'GR-Sitzung vom 17.01.2012): Ruhezeiten bei "Haus und Gartenarbeiten", sollten laut Entwurf nicht in der Zeit zwischen 12 und 14 Uhr sowie von 20 bis 8 Uhr ausgeführt werden, "sofern sie zu erheblichen Belästigungen anderer führen können". Ohne zwingenden Grund hat der Gemeinderat die Mittagsruhe mehrheitlich auf 12:00 Uhr - 13:30 Uhr reduziert.
  • Neue Transportbetonmischanlage und erweiterte Kiesabbaukonzession. 
    Neben zusätzlichem Lärm und Staub durch die Anlage wird ein erhöhtes LKW-Aufkommen befürchtet.  Die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat stimmen diesem Vorhaben zu. (BZ vom 24.01.2012, GR-Sitzung vom 17.01.2012).
    Zur Zementanlieferung und der Transportbetonverteilung kommen auch LKW-Fahrten mit sogenannten "Zuschlagstoffen" aus dem Gewerbepark. (vgl. BZ vom 12.05.2012). 
  • Dacherneuerung auf Rheinhalle (in 2012) ohne Chance für die gleichzeitige  Realisierung einer Photovoltaik-Anlage zu nutzen.Die Mehrheit der Gemeinderäte spricht sich jedoch gegen eine Beauftragung für die Erstellung
    eines Klimaschutzkonzeptes aus.Publikationen der Landesregierung zu Bioenergiedörfern und deren Förderung:
     http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/82716/
  • Die Mehrheit der Gemeinderäte spricht sich gegen die Erstellung
    eines Klimaschutzkonzeptes aus (vgl. GR-Beschlüsse vom 05.02.2013).
  • Der Gemeinderat spricht sich entgegen dem Vorschlag der Verwaltung
    mehrheitlich dafür aus, für das neue Baugebiet "Seltenbach"kein Nahwärmekonzept erstellen zu lassen. (GR-Sitzung vom 09.07.2013)
  • Rückbau des Fuss- und Radwegs zwischen Hartheim und Feldkirch (März 2014)

3. Hartheim, mitten in einer lieblichen, ländlichen Raumschaft

  • intakte Landwirtschaft
  • mit Bäumen, Sträuchern, Wäldchen aufgelockertes, angereichertes Landschaftsbild
  • Lebensraum für vielfältige Flora und Fauna

positive Beispiele:

  • Beitritt zum Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald e.V., womit allerdings noch keine konkreten Massnahmen verbunden sind (GR-Sitzung vom 17.04.2012) 

negative Beispiele:

  • Monokulturen
  • radikaler Heckenschnitt wie an der L 134.
  • langweiliger Grünstreifen an Kreisstrasse zwischen Feldkirch und Hartheim
  • Nördliche Erweiterung des Gewerbeparks (vgl. GR-Beschluss vom 09.10.2012), ca. 10,5 ha, überwiegend auf Gemarkung Bremgarten, gegen den Willen des Ortschaftsrates Bremgarten. Unser Lebensraum wird zunehmend industrialisiert. Der charmante Dorfcharakter geht verloren (Müllverbrennung, riesige Hallen, von weitem sichtbar, Hobby-Fliegerei). 

4. Hartheim, Naherholung und Freizeiteinrichtungen vor der Haustür

  • Umgestaltung nicht mehr betriebener Baggerseen in kommerzielle Freizeitparks
  • Spazier- und Radwege
  • naturnahe Freizeiteinrichtungen am Rhein
  • Die regionalen Ausflugsziele sind mit dem Fahrrad und / oder ÖPNV gut erreichbar.

positive Beispiele:

  • Panoramaweg
  • Dokumentationszentrum (?)
  • Verbesserung der rheinnahen Radfernwege. Die Gemeinde Hartheim will sich unter Vorbehalt beteiligen, Planung und Projektmanagement durch Dritte (GR-Sitzung von 17.04.2012).

negative Beispiele:

  • Transportbetonanlage (siehe oben)
  • verbotener, ständiger Durchgangsverkehr auf Feldweg zw. Hartheim - Feldkirch
  • fehlende Radwegverbindungen

    Hartheim / Feldkirch - Hausen / Freiburg  (tötlicher Unfall, Radfahrer wurde von Autofahrerin überfahren und starb an Unfallstelle, 14.04.2012)
    Hartheim - Heitersheim (Bereich Bremgarten - Gewerbegebiet)
  • Die Verwaltung berichtet in der GR-Sitzung am 18.02.2014 von einem  Termin mit der Verkehrsbehörde des Landkreises. Danach wird der derzeitige Fuß- und Radweg von Hartheim nach Feldkirch wieder als landwirtschaftlicher Weg ausgewiesen. Der GR stimmt mehrheitlich zu. 

    Hier geht es um mehr. Offensichtlich will man die Sicherheit der Fahrradfahrer reduzieren (Verschmutzung, landwirtschaftliche Maschinen, Winterdienst). Davon sind vor allem auch Schüler betroffen. Eine "Fahrradfreundliche Kommune", die zum umweltfreundliche und gesundheitfördernde Fahrradfahren motiviert, sieht anders aus.Verkehrskonzept? Widerspruch zur Initiative der Landesregierung?


5. Hartheim, ein Genuss- und Erholungszentrum.

Damit ist vor allen Dingen ein Wirtschaftsfaktor mit entsprechenden Arbeitsplätzen und Einnahmen gemeint.

Derzeit gibt es nicht viel, was diese Vision nahe legt. Aber:

  • Frau Schönberger hat vor ihrer Wahl die Tourismusförderung in Hartheim versprochen. 
  • Das Bohrerkonzept und -projekt findet in der Region und bei unseren Nachbarn in der Schweiz und dem Elsaß grossen Zupruch. 
  • Die Gegend, die badische Lebensart, Klima, Landschaften usw. ziehen viele an. Warum soll sich auf diesem Boden nicht auch ein nachhaltiger Wirtschaftzweig entwickeln?

Ob die Gemeinde gewillt und in der Lage ist, die notwendige Infrastruktur zu entwickeln, sei dahingestellt. Vermutlich gibt es aber nur ein Entweder-oder. Es gibt zu viele Regionen, die sich um den Tourismus buhlen. Nur überzeugende Konzepte werden zum gewünschten Erfolg führen. 

positive Beispiele:

  • Bohrer Land Live, Erlebnisgastronomie-Projekt, im Nov. 2012 endgültig freigegeben.

negative Beispiele:

  • Das Gasthaus Kreuz in Feldkich wurde 2013 geschlossen.

6. Hartheim hat eine attraktive ÖPNV-Anbindung.

an Regionalzug angepasster Takt, Fahrzeit nach Freiburg < 30 min, Basel < 1 Stunde, Bürgerbusverkehr

7. Hartheims Bürger leben sicher

Schlagzeile in der Badischen Zeitung vom 16.06.2012, könnte aber auch ein guter Slogen sein. Sicherheit hat für viele Bürger einen hohen Wert.

Im Gemeinderat vorgestellte Kriminalstatistik:

Im Bereich der Gewaltkriminalität sank die Zahl der Fälle von sechs im Jahr 2006 auf vier im Jahr 2011, wobei drei der Fälle aufgeklärt worden seien. Auf einem recht niedrigen Niveau bewegt sich die Straßenkriminalität in der Gemeinde. Sie ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen und lag 2011 bei 47 Fällen. 139 männlichen Tatverdächtigen stehen 18 weibliche Tatverdächtige gegenüber. 120 von ihnen sind Erwachsene, 37 Personen sind unter 21 Jahren, darunter wiederum zwei Kinder, 12 Jugendliche und mit 23 Personen eine auffallend hohe Anzahl Heranwachsender, von denen jedoch nur fünf in Hartheim wohnen. Zwölf der jungen Tatverdächtigen wohnen im Ausland, überhaupt liegt  der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger sehr hoch bei 50,3 Prozent.

Leider scheint sich diese Statistik nicht (mehr) mit der Realität zu decken. Ende 2012 / Anfang 2013 werden sehr viele Einbrüche, auch in Kindergärten, gemeldet. Viele fühlen sich in ihrer Wohnqualität beeinträchtigt. Die Gemeinde ruft zur Wachsamkeit auf., eine mobile Alarmanlage für die Kindergärten soll beschafft werden.  

Publikationen Anfang 2014 entnommen (vgl. BZ vom 27.02.2014):

Spezielle Ermittlungsgruppe in Müllheim: "Wir haben immer wieder Festnahmen, aber es sind viel zu wenig. Diese Banden sind wie eine Hydra. Wir nehmen einige fest, dann kommen die nächsten."

Polizeipräsidium Freiburg:  "Die Zahl der Einbrüche entlang der Rheinschiene steigt an:" 

Wie weit die Kriminalität durch die Gemeinde reduziert werden kann, ist im Moment noch offen.